Buchproduktion

Druckdaten für den Buchinnenteil: Was die Druckerei wirklich braucht

9 Min. Lesezeit · 21. Juli 2026

„Mein PDF sieht doch fertig aus.“ Diesen Satz hören wir oft – und am Bildschirm stimmt er auch meistens. Für die Druckerei zählen aber andere Dinge als für das Auge: Stimmt das Seitenformat? Sind alle Seiten Einzelseiten? Hält der Text genug Abstand zum Bund und zum Rand? Dieser Beitrag zeigt dir, worauf es beim Innenteil wirklich ankommt.

Wichtig vorab: Innenteil und Umschlag sind zwei getrennte Dateien. Hier geht es um den Innenteil. Wie du das Cover anlegst, steht im Cover-Guide. Wie Farben und PDF/X zusammenhängen, erklärt der Beitrag RGB, CMYK und PDF/X.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • Einzelseiten, keine Druckbögen: Jede Buchseite ist eine eigene PDF-Seite. Doppelseiten (zwei Seiten nebeneinander) kann die Druckerei nicht verarbeiten. Beim Export aus InDesign wählst du „Seiten“ statt „Druckbögen“.
  • Alle Seiten gleich groß: Ein einziges Seitenformat in der ganzen Datei, alle Seiten in derselben Ausrichtung.
  • Endformat plus 3 mm Anschnitt: Die PDF-Seite ist rundum 3 mm größer als das fertige Buch.
  • Gerade Seitenzahl: Ein Blatt hat zwei Seiten, also braucht ein Buch eine gerade Seitenzahl. Bei Fadenheftung muss sie durch 4 teilbar sein.
  • Kein Cover im Innenteil: Titel- und Rückseite des Umschlags gehören in die separate Cover-Datei.
  • Keine Kommentare und Formularfelder: Anmerkungen und Formularfelder im PDF sind laut Druckerei nicht erlaubt.

Rechenbeispiel: Taschenbuch mit 200 Seiten

Dein Buch soll im Standard-Taschenbuchformat 135 × 210 mm erscheinen und 200 Seiten haben. Dann gilt für den Innenteil:

  • Seitengröße im PDF: 135 mm + 3 mm + 3 mm = 141 mm Breite und 210 mm + 3 mm + 3 mm = 216 mm Höhe.
  • Seitenzahl: 200 Einzelseiten. Das ist eine gerade Zahl und passt für Klebebindung.
  • Endformat nach dem Beschnitt: 135 × 210 mm. Die 3 mm Anschnitt rundum werden abgeschnitten.

Weitere Formate und ihre Maße inklusive Anschnitt findest du im Formatrechner.

Anschnitt: Wann brauchst du ihn wirklich?

Der Anschnitt ist ein 3 mm breiter Rand, der über das Endformat hinausragt und beim Zuschneiden wegfällt. Er ist vor allem dann wichtig, wenn Bilder oder Farbflächen bis an den Seitenrand laufen. Reicht ein solches Element nicht in den Anschnitt hinein, kann nach dem Schneiden ein weißer Streifen am Rand blitzen. Bei reinem Text auf weißem Papier ist ein fehlender Anschnitt unkritisch. Unser Druckdaten-Check weist dich darauf hin, wenn er fehlt.

Ränder und Bundsteg: Luft zum Rand und zum Falz

Text und wichtige Bilder brauchen Abstand, damit sie nicht angeschnitten werden oder im Falz verschwinden:

  • Außen, oben und unten: Die Druckerei verlangt mindestens 3 mm Abstand zum Endformat. Für Bilder und Grafiken empfehlen wir 5 mm. Für Text planst du deutlich mehr Rand ein, damit die Seite gut lesbar wirkt.
  • Zum Bund (innen): Bei Klebebindung gilt mindestens 10 mm. Bei dickeren Büchern brauchst du mehr, weil sich das Buch nicht ganz flach öffnen lässt und am Falz optisch etwa 5–8 mm verloren gehen. Als Richtwerte: bis 150 Seiten etwa 15 mm, bis 300 Seiten etwa 19 mm, darüber etwa 22 mm.
  • Bilder und Tabellen: Lege wichtige Inhalte nicht über den Bund, das gilt besonders für Bilder über zwei Seiten.

Bilder, Schriften und Linien

  • Bildauflösung: 300 dpi in der Größe, in der das Bild im Buch erscheint. Unter 150 dpi zeigt unser Check einen Fehler an. Strichgrafiken (reine Schwarz-Weiß-Zeichnungen) sollten 600 dpi haben.
  • Schriften: Alle Schriften müssen eingebettet sein. Wähle keine Schrift unter 7 pt.
  • Linien: Keine Haarlinien. Linien müssen mindestens 0,25 pt stark sein, sonst drucken sie unter Umständen nicht.
  • Schwarzer Text: Lege ihn als reines Schwarz (nur K, 100 %) an. RGB-Schwarz oder Vierfarb-Schwarz kann unscharf oder mit Farbstich drucken.
  • Bildkomprimierung: Vermeide LZW. Exportiere mit JPEG oder ohne Komprimierung.

Seitenzahl und Papier bestimmen den Rücken

Die Seitenzahl des Innenteils entscheidet gemeinsam mit dem Papier über die Rückenbreite deines Covers. Ändert sich die Seitenzahl, ändert sich der Rücken: Rechne ihn dann im Formatrechner neu aus, bevor du das Cover finalisierst.

PDF/X: Pflicht oder nicht?

Die Druckerei wünscht sich PDF/X-Dateien nach ISO 15930, nimmt aber auch normale PDFs an. Fehlen PDF/X-Merkmale, ist das bei uns kein Ausschlusskriterium: Wir bereiten die Datei vor dem Druck für dich auf. Mehr dazu im Beitrag RGB, CMYK und PDF/X.

Checkliste Innenteil-PDF

  • Einzelseiten, keine Doppelseiten (Druckbögen)
  • Alle Seiten gleich groß und gleich ausgerichtet
  • Endformat plus 3 mm Anschnitt rundum (z. B. 141 × 216 mm bei 135 × 210 mm)
  • Gerade Seitenzahl (bei Fadenheftung durch 4 teilbar)
  • Kein Cover im Innenteil
  • Text mindestens 3 mm, besser 5 mm vom Endformat entfernt
  • Bund: mindestens 10 mm, bei dickeren Büchern mehr
  • Bilder mit 300 dpi, Strichgrafiken mit 600 dpi
  • Alle Schriften eingebettet, nicht kleiner als 7 pt
  • Keine Haarlinien (mindestens 0,25 pt)
  • Schwarzer Text als 100 % K
  • Keine Kommentare und Formularfelder im PDF
  • Rücken im Formatrechner neu berechnet, falls sich die Seitenzahl geändert hat
  • Datei im Druckdaten-Check geprüft

Fazit

Ein druckfertiger Innenteil ist keine Zauberei, aber Handwerk mit vielen Details: Format, Anschnitt, Bund, Bilder, Schriften, Seitenzahl. Wenn du dich lieber um den Inhalt kümmerst als um Millimeter, übernehmen wir den Buchsatz für dich – mit allen technischen Vorgaben der Druckerei und einem Layout, das gut aussieht.

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